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Rega Schweiz (Foto: Rega)
30. März 2026 - 6 min Lesezeit

SAC-Bergnotfallstatistik 2025: Mehr Rettungen, weniger Todesfälle

2025 rückte die Schweizer Bergrettung so oft aus wie seit Jahren nicht mehr – trotz weniger tödlicher Unfälle. Auffällig ist die steigende Zahl unverletzter Rettungen. Ein Blick in die neue SAC-Statistik

2025 mussten fast 4000 Personen beim Bergsport in der Schweiz gerettet werden. Das sind rund 11 Prozent mehr als im Durchschnitt der Jahre 2020 bis 2024. Ein möglicher Grund: 2025 waren wahrscheinlich besonders viele Menschen in den Bergen unterwegs. Darauf deuten unter anderem rekordhohe Zahlen bei den Hüttenübernachtungen hin, die der SAC verzeichnet.

SAC Bergunfallstatistik 2025: Entwicklung der Bergnotfälle in der Schweiz. Grafik: SAC
SAC Bergunfallstatistik 2025: Entwicklung der Bergnotfälle in der Schweiz. Grafik: SAC

Bereits im 19. Jahrhundert begann der Schweizer Alpen-Club, einzelne tödliche Bergunfälle zu dokumentieren. Seit 1964 erfasst der SAC alle tödlichen Unfälle systematisch. 1994 entstand die Bergnotfallstatistik, die nun auch Notfälle berücksichtigt, bei denen niemand verletzt oder getötet wurde. Die heutige Bergnotfallstatistik erfasst alle Einsätze von Bergrettungsdiensten wie der Rega, der Alpinen Rettung Schweiz, der KWRO oder Air-Glaciers – auch Evakuationen unverletzter Personen.

Weniger tödliche Bergunfälle

Gesunken ist hingegen die Zahl der tödlichen Unfälle: 2025 kamen beim klassischen Bergsport 98 Personen ums Leben (ohne Flugsport und Mountainbiken). Das ist der tiefste Wert der letzten zehn Jahre. Zwischen 2015 und 2024 lag der Durchschnitt bei 119 Todesfällen pro Jahr.

Entwicklung der tödlichen Bergsportunfälle in der Schweiz. Grafik: SAC
Entwicklung der tödlichen Bergsportunfälle in der Schweiz. Quelle: Schweizer Alpen-Club SAC

Bergnotfälle, Blockierungen & Co.: Wie wird was definiert?

Bergnotfälle

Bergnotfälle sind alle Vorkommnisse, bei denen Berggänger:innen die Hilfe der Bergrettungsdienste beanspruchen. Dazu zählen auch Erkrankungen und Evakuationen von unverletzten Personen. Notfälle auf Schneesportabfahrten und in Bikeparks werden nicht erfasst.

Bergunfälle

Bergunfälle – als Untermenge der Notfälle – sind Ereignisse, die der allgemeinen Definition eines Unfalls entsprechen.

Bergsport

Zum klassischen Bergsport zählen in dieser Statistik Wandern und Bergwandern, Bergsteigen/Hochtouren, Skitouren, Schneeschuhlaufen, Variantenfahren/Freeriden (inkl. Heliskiing), Klettersteiggehen sowie Pilzsuchen, Trailrunning und Jagd. Flugsport (Gleitschirm- und Deltafliegen, Speedflying), Base-Jumping und Mountainbiken gehören nicht dazu.

Blockierung

Als Blockierung werden alle Notfälle bezeichnet, bei denen Berggänger:innen infolge von Erschöpfung, Überforderung, Materialverlust oder anderen Missgeschicken nicht mehr in der Lage sind, ihre Tour aus eigener Kraft weiterzuführen oder abzubrechen. Sehr oft sind die Betroffenen unverletzt.

Beim Bergwandern blieb die Zahl der tödlichen Unfälle mit 36 Fällen wie im Vorjahr niedrig und deutlich unter dem Zehnjahresdurchschnitt (53). Bei Skitouren sank die Zahl der tödlichen Unfälle auf 22 (Vorjahr: 28; Zehnjahresmittel: 21). Auf Hochtouren starben 23 Personen – ähnlich viele wie im vergangenen Jahr.

Entwicklung der tödlichen Bergsportunfälle nach Tätigkeit. Quelle: Schweizer Alpen-Club SAC
Entwicklung der tödlichen Bergsportunfälle nach Tätigkeit. Quelle: Schweizer Alpen-Club SAC

Am meisten Notfälle beim Wandern

Ein Blick auf alle Bergnotfälle zeigt: Fast die Hälfte (46 Prozent) ereignete sich beim Wandern oder Bergwandern; je 14 Prozent entfielen auf Skitouren und Hochtouren.

Stürze und Abstürze als häufigste Ursache

Bergnotfälle nach Tätigkeit. Quelle: Schweizer Alpen-Club SAC
Bergnotfälle nach Tätigkeit. Quelle: Schweizer Alpen-Club SAC

Weniger Unfälle bei schlechtem Wetter

Grundsätzlich sinkt die Zahl der Rettungseinsätze bei schlechtem Wetter, da weniger Menschen unterwegs sind. Entsprechend zeigt sich ein Rückgang im regnerischen Juli 2025. Davon abgesehen nahmen die Notfälle von März bis Oktober im Vergleich zum Vorjahr in allen Monaten zu.

Stürze, Blockierungen und Erschöpfung

Stürze oder Abstürze waren auch 2025 über alle Aktivitäten hinweg die häufigste Ursache. Gleichzeitig alarmieren immer mehr Bergsportlerinnen und Bergsportler wegen Blockierung oder Erschöpfung die Rettung. Bei Hochtouren und Klettern ist dies die häufigste Ursache, beim Bergwandern und bei Skitouren die zweithäufigste.

Bergnotfälle nach Ursache: am Häufigsten Sturz oder Absturz. Quelle: Schweizer Alpen-Club SAC
Bergnotfälle nach Ursache: am Häufigsten Sturz oder Absturz. Quelle: Schweizer Alpen-Club SAC

Mehr Unverletzte gerettet

Auffällig ist, dass immer mehr Menschen ohne Verletzung gerettet werden. 2020 waren noch knapp drei von zehn Geretteten unverletzt (29 Prozent). 2025 sind es fast vier von zehn (38 Prozent). Rund 1500 Personen wurden im letzten Jahr gesund gerettet. Die meisten von ihnen alarmierten die Rettung, weil sie blockiert waren (84 Prozent). Sie waren erschöpft, hatten sich verirrt oder wagten sich weder vor noch zurück. Besonders häufig kam es bei Hochtouren und beim Bergwandern zu solchen Notlagen.

Entwicklung des Anteils von unverletzten/gesunden Personen bei den Bergnotfällen. Quelle: Schweizer Alpen-Club SAC
Entwicklung des Anteils von unverletzten/gesunden Personen bei den Bergnotfällen. Quelle: Schweizer Alpen-Club SAC

Woher kommt diese Entwicklung?

Die genauen Gründe für diese Entwicklung sind nicht bekannt. Eine Rolle spielen vermutlich Handys und eine gute Netzabdeckung, die es ermöglichen, schneller Hilfe zu rufen. Zudem ist die Rettung zunehmend professionell organisiert, und die beteiligten Institutionen arbeiten eng zusammen. Dadurch erfolgt die Rettung häufiger, bevor es zu Verletzungen kommt.

Gleichzeitig ist denkbar, dass mehr Personen in Not geraten, weil sie ihre Tour unterschätzen oder zu wenig planen. Es ist deshalb wichtig, sich gut auszubilden und eine Tour zu wählen, die zur eigenen Kondition und zum Können passt. Ebenso wichtig ist es, eine passende Ausrüstung mitzunehmen, die aktuellen Verhältnisse und das Wetter sorgfältig zu prüfen und während der Tour laufend zu beobachten. Das nötige Wissen wird in den Alpenvereinskursen von SAC, DAV, ÖAV und AVS vermittelt.

Weitere Auswertungen

Bergnotfälle nach medizinischem Index

Die Zahl der unverletzt/gesund geretteten Personen hat weiter zugenommen und lag 2025 bei über 1500 Personen. Gesamthaft waren 2025 über 2500 Personen oder fast zwei Drittel (63 Prozent) aller geretteten Personen gesund oder nur leicht verletzt und es war keine Einweisung in ein Spital nötig. Dieser Anteil hat in den letzten Jahren zugenommen (2024: 61 Prozent, 2023: 55 Prozent).

Alter der Unverletzten bei Bergnotfällen

Auffällig ist: Bei den unverletzt oder gesund geretteten Personen waren die etwas jüngeren Personen 2025 stärker vertreten als bei der Gesamtheit aller Notfälle. Rund zwei Drittel (65 %) der Unverletzten waren unter 40 Jahre alt, bei allen Notfällen war es die Hälfte (49 %). Umgekehrt waren nur 22 % der Unverletzten über 50-jährig (bei allen Notfällen 39 %).

Viele junge Personen unter den Unverletzten

Notfälle auf Hochtour, Skitour und beim Klettern

Blockierung ist bei Hochtouren mit Abstand die häufigste Ursache (2025: 60 Prozent), gefolgt von Sturz oder Absturz (2025: 19 Prozent). Deutlich seltener sind Einsätze aufgrund von Erkrankungen, Steinschlag, Verirren, Spaltensturz oder Lawinen. Auch beim Klettern führt meist eine Blockierung zum Notruf, am zweithäufigsten sind Stürze. Bei Skitouren ist hingegen ein Sturz die deutlich häufigste Ursache (2025: 49 Prozent), gefolgt von Blockierungen (2025: 20 Prozent) und Lawinen (2025: 14 Prozent).

Notfälle beim Bergwandern und anderen Bergsportarten

Beim Bergwandern sind Stürze nach wie vor die häufigste Ursache für einen Notfall (2025: 39 Prozent), dicht gefolgt von Blockierungen oder Erschöpfung (2025: 35 Prozent). Auch Erkrankungen (2025: 16 Prozent) zählen zu den relativ häufigen Alarmierungsgründen. Abseits der klassischen Bergsportdisziplinen treten die meisten Notfälle beim Flugsport, Freeriden und Mountainbiken auf.

Wo die meisten Bergunfälle auftreten

Mit 39 Prozent ereignen sich die meisten tödlichen Bergunfälle in den Walliser Alpen, gefolgt von den Berner Alpen mit 17 Prozent.

Tödliche Unfälle nach Geschlecht, Tätigkeit und Ursache

Die Zusammenstellungen und Auswertungen dieses Berichtes stützen sich auf Angaben und Mitarbeit folgender Personen und Institutionen: Sabine Alder und Theo Maurer, Alpine Rettung Schweiz (ARS); Mario Tissi, REGA; Stephan Zeller, Kantonale Walliser Rettungsorganisation (KWRO); Anouk Spiess, Air-Glaciers Lauterbrunnen; Lynn Ellenberger, BFU . Quelle: Schweizer Alpen-Club SAC