Rekord auf der Ostalpen-Haute-Route: Rosanna Buchauer stellt FKT auf der Hoch-Tirol auf
30 Stunden und elf Minuten für 100 Kilometer mit über 10.000 Höhenmetern: Die Trailrunnerin und Dynafit-Athletin Rosanna Buchauer hat eine neue Fastest Known Time (FKT) auf der bekannten, hochalpinen Hoch-Tirol-Route durch die Zillertaler Alpen und die Hohen Tauern aufgestellt. Die Route führte die 35-Jährige von Kasern in Südtirol über den Großen Geiger (3.360 m), den Großvenediger (3.674 m) und schließlich auf den Großglockner (3.798 m), den höchsten Berg Österreichs.

Von der Skidurchquerung zum Trailrunning-Projekt
Die Hoch-Tirol zählt zu den bekanntesten Skidurchquerungen der Ostalpen und führt von Kasern in Südtirol über die vergletscherten Berge der Venedigergruppe bis nach Kals am Großglockner in Osttirol. Sommer wie Winter wird die Durchquerung üblicherweise als Mehrtagestour absolviert und verlangt Ausdauer sowie alpine Erfahrung.
Zweiter Anlauf, bessere Vorbereitung
Schon im letzten Jahr hatte sich Rosanna Buchauer an der Hoch-Tirol versucht, musste ihr Projekt damals jedoch nach 18 Stunden wegen schlechter Bedingungen und extremer Erschöpfung abbrechen. Nach dem Abbruch analysierte sie die Schlüsselstellen der Route und bereitete sich gezielt auf einen zweiten Versuch vor.
Sechs Fragen an Rosanna Buchauer
Mit dem Non-Stop-Durchquerung hast du eine enorme körperliche Leistung erbracht: 100 Kilometer und über 10.000 Höhenmeter. Was war das Herausforderndste?
Die Eckdaten der Tour sind auf den ersten Blick vielleicht nicht so beeindruckend, wenn man sie mit 100-Meilen-Rennen im Trailrunning vergleicht. Was die Hoch-Tirol allerdings so herausfordernd macht, ist das hochalpine und technische Gelände mit vielen Gipfeln und dem Großglockner als großem Finale.
Was war technisch besonders anspruchsvoll?
Es geht über Gletscher, ich bin am Fels unterwegs und dadurch nicht nur läuferisch gefordert. Man befindet sich im hochalpinen, technischen Gelände, dazu kommt die Routenfindung in dieser Umgebung, besonders in der Nacht. Ich musste mich zudem über 30 Stunden gut ernähren und einiges an sicherheitsrelevantem Equipment dabeihaben. Ich war diesmal jedoch besser vorbereitet als letztes Jahr, mit einer größeren Support-Crew, einem besseren Ernährungsplan und kannte die Schlüsselsektionen.

Wie hast du dich im zweiten Versuch besser auf die Schlüsselsektionen vorbereitet?
Mit akribischem Scouting über den ganzen Sommer. Wir haben verschiedene Ausgangspunkte gewählt, sind die Route in Teilstrecken abgegangen, haben wichtige Passagen und Schlüsselstellen fotografiert und mit Fotos vom Vorjahr verglichen. Auf dieser Grundlage haben wir kleine Anpassungen am GPX-Track gemacht, um die bestmögliche Route zu fixieren.
Wie sah dein Sicherheitsmanagement aus, etwa in Bezug auf Wettervorhersagen, mögliche Notfallszenarien oder Begleitungen?
Das Sicherheitsmanagement war ein großer Faktor in der Planung und Durchführung. Ich hatte ein Team von insgesamt 18 Personen, die beratend im Vorfeld und vor Ort zur Seite standen. Ich habe die Hochtirol in vier große Etappen unterteilt und wurde auf jeder Etappe von zwei bis vier Personen begleitet. Zusätzlich wartete am Matreier Tauernhaus und am Fuße des Großglockners (beides per Auto erreichbar) ein Teil des Teams mit Unterstützung.
Wir hatten somit einen „Berg-“ und einen „Bodentrupp“. All diese Personen haben sich ein Zeitfenster von 14 Tagen im August geblockt, damit wir den Versuch im sichersten Wetterfenster starten können – was uns auch gelungen ist. Während der Tour trug ich zusätzlich ein Satellitentelefon mit mir, um die Crew zu erreichen und im absoluten Notfall die Rettung alarmieren zu können. Überdies wurde alle 15 Minuten mein Standort versendet, so konnte mich meine Crew tracken.

Und in Bezug auf deine Ausrüstung: Wie hast du die Balance zwischen möglichst wenig Gewicht und Sicherheit gehalten?
Wir haben uns entschieden die Ausrüstung leicht zu wählen, jedoch nicht an der Sicherheit zu sparen. Daunenjacke, Überhose, Rettungsdecke, Erste-Hilfe-Set und Biwaksack waren immer im Rucksack. Das Glück auf dieser Route ist, dass es doch ein paar Hütten und viele Flüsse gibt. So mussten wir wenig Wasser schleppen und ich konnte an der Hütte zwischendurch Gemüsebrühe und Schokolade aufnehmen.
Hast du im hochalpinen Gelände deine Ausrüstung gewechselt, etwa auf Grödel oder steigeisenfeste Schuhe?
Ja, meine Crew musste schon etwas mehr tragen. Ich bin mit Laufschuhen auf die Warnsdorfer Hütte gestartet und wo der Gletscher beginnt, auf steigeisenfeste Schuhe und Steigeisen gewechselt.
Am Gletscher bist du dann mit Seilpartner gelaufen?
Genau, auf dem Gletscher war ich in einer Seilschaft unterwegs, teilweise war das Filmteam als zweite Seilschaft dabei.
Welche „Warnungen“ würdest du Hobby-Trailrunner:innen mitgeben, die Ähnliches womöglich versuchen wollen?
Dieses Jahr ist die Spalten- und Steinschlaggefahr sehr angespannt. Als normale Hochtour würde ich den Großen Geiger und Großvenediger dieses Jahr nicht mehr empfehlen. Die Hitzewelle hat die Situation sehr angespannt gemacht. Auch der Stubacher Sonnblick ist schwieriger als im Winter oder anderen Sommern.
Bei einer Planung im nächsten Jahr würde ich nur mit gutem Vorwissen an die Tour herangehen und sie gemeinsam mit Profis wie Bergführer:innen angehen.

Fakten zur Route
- Start: Kasern (Südtirol)
- Ziel: Kals am Großglockner (Osttirol)
- Distanz: rund 100 Kilometer
- Höhenmeter: über 10.000 Höhenmeter
- Höchster Punkt: Großglockner (3.798 m)
- Weitere Gipfel: Großer Geiger (3.360 m), Großvenediger (3.674 m)
- Zeit: 30 Stunden, 11 Minuten
- Besonderheit: Erste Fastest Known Time (FKT) sowie erste Non-Stop-Trailrunning-Begehung der Hoch-Tirol (nach aktuellem Kenntnisstand)
Zwischen Trailrunning und Bergsteigen: Warum auch bei der Schuhproduktion immer mehr auf Leichtigkeit gesetzt wird
Die Fastest Known Time ist im modernen (Spitzen-) Alpinismus ein fester Begriff, ein anderer lautet „fast and light“. Und klar ist: Für solche Spitzenzeiten braucht es nicht nur extreme Kondition und Können, sondern auch gewichtsoptimierte Ausrüstung. Besonders viel Ballast wurde zuletzt an Bergschuhen eingespart. Mittlerweile haben die meisten Hersteller einen ultraleichten Hochtourenschuh, der eher einem Trailrunningschuh mit Garmasche als einem Hochtourenstiefel ähnelt – und teils sogar zum Rennen optimiert ist.




„Trailrunning-Schuhe sind nicht für den Einsatz auf Gletschern konzipiert“
Trailrunning boomt – und die Läuferinnen und Läufer wollen immer höher hinaus – vor allem ins hochalpine Gelände. Wie reagieren Hersteller auf die Bedürfnisse und wo liegen die (Sicherheits-) Grenzen? Drei Fragen an Davide Bonato, Dynafit Produkt Manager Footwear (Trailrunning und Mountaineering)
Welche Schuhe hat Dynafit im Sortiment, die sich für solche Unternehmungen eignen?
Grundsätzlich ist Dynafit keine Marke, die sich auf klassischen Alpinismus konzentriert. Gerade bei Athlet:innen wie Rosanna verschwimmen die Grenzen zwischen Trailrunning und alpinem Bergsteigen jedoch zunehmend. Deshalb haben wir in den vergangenen Jahren auch Schuhe entwickelt, die diese Einsatzbereiche miteinander verbinden.
Rosanna hatte unter anderem unseren Elevation WP dabei. Das ist ein leichter, steigeisenkompatibler Bergschuh mit Wurzeln im Trailrunning, der für schnelles Vorankommen in hochalpinem Gelände entwickelt wurde. Zusätzlich nutzte sie den Ultra 100 V3 in Kombination mit Microspikes auf den Gletscherpassagen, auf denen diese Ausrüstung ausreichend war. Außerdem kam ein älteres Paar Sky Pro mit Steigeisen zum Einsatz, obwohl dieses Modell offiziell nicht als steigeisenkompatibel ausgewiesen ist.

Wo liegen produktseitig die Grenzen?
Ich würde grundsätzlich zwischen hochalpinem Gelände auf Fels und Gletscherpassagen unterscheiden. Trailrunning-Schuhe sind nicht speziell für den Einsatz auf Gletschern konzipiert, da Gletscher normalerweise nicht zum klassischen Terrain beim Trailrunning gehören. Ihre Grenzen liegen dort vor allem in der geringeren Stabilität und Steifigkeit, beim Nässeschutz, beim Schutz des Fußes und bei der Wärmeisolierung. Hinzu kommt die Frage der Steigeisenkompatibilität.
Sobald aus Bergsteigen echtes Klettern wird, stoßen Trailrunning-Schuhe an ihre Grenzen.
Abseits von Gletschern können Trailrunning-Schuhe dagegen durchaus sicher im hochalpinen Gelände eingesetzt werden – vorausgesetzt, man wählt einen stabilen, zuverlässigen und ausreichend schützenden Schuh und verfügt über alpine Erfahrung. Denn im Vergleich zu klassischen Bergschuhen bieten Trailrunning-Schuhe weniger Unterstützung. Gerade in technisch anspruchsvollem Gelände muss man damit umgehen können. Sobald aus dem Bergsteigen jedoch echtes Klettern wird, stoßen Trailrunning-Schuhe an ihre Grenzen.
Wird es in Zukunft mehr solcher Leichtprodukte geben, die die Grenze zwischen Trailrunning und hochalpinen Unternehmungen auflösen?
Im Sommer liegt unser Fokus bei Dynafit klar auf dem Trailrunning. Gleichzeitig verstehen wir uns als Bergsportmarke und möchten deshalb mit unserer Schuhkollektion die unterschiedlichen Anforderungen unserer Athlet:innen und Kund:innen abdecken. Das Spektrum reicht deshalb auch in Zukunft von klassischen Trailrunning-Schuhen über alpinere Modelle bis hin zu Schuhen, die stärker vom Roadrunning inspiriert sind.

Danger trail? Die Risiken des Trailrunning-Booms
Leicht und schnell durch die Berge – für immer mehr Menschen Leidenschaft und Lifestyle. Doch mit dem Boom drängen zunehmend unerfahrene Läufer:innen ins hochalpine Gelände, die Rennen werden größer und die Zahl schwerer Unfälle steigt. Autor Simon Schöpf über typische Gefahren, Klimawandel und Verantwortung. Zum Artikel