bergundsteigen #136 / Herbst 2026 ist da!
1907 versuchte der amerikanische Arzt Duncan MacDougall, das Gewicht der menschlichen Seele zu bestimmen. Bei einem seiner Patienten zeigte die Waage nach dem Tod 21 Gramm weniger an. MacDougalls Experiment hielt einer wissenschaftlichen Überprüfung nicht stand. Die Geschichte aber blieb.
Vielleicht ist das bezeichnend. Wir können Bruchlasten, Fangstöße und Reibungswerte messen. Wir wissen, wann ein Seil ausgemustert gehört. Aber bei der Seele wird es schwierig. Wo sitzt sie eigentlich? Und gibt es dafür eine Norm?

Auch beim Bergsteigen versuchen wir, möglichst viel messbar zu machen: Höhenmeter, Zeit, Schwierigkeit, Leistung, Risiko. Und trotzdem bleibt nach einer Tour oft etwas übrig, das in keiner Tourenstatistik auftaucht. Ein Lied kann uns Jahrzehnte zurückversetzen. Ein bestimmter Grat erinnert uns an einen Menschen. Der Geruch von feuchtem Granit, kalter Kaffee am Morgen, das Klicken eines Karabiners am Stand – und plötzlich ist eine längst vergangene Zeit wieder da.
Der Berg steht noch da. Wir sind längst andere. Vielleicht werden Berge zu biografischen Orten. Und vielleicht liegt die Seele irgendwo zwischen dem, was wir erleben, und dem, was davon bleibt. Was sie wiegt, wissen wir nicht. 21 Gramm werden es wohl nicht sein. Aber vielleicht merkt man beim nächsten Aufbruch einfach, dass sie dabei ist.
bergundsteigen Magazin: 4x/Jahr im Abo
Inhalt: bergundsteigen #136
Schwerpunkt: Seele

Die DNA moderner Kletterhardware
Kaum jemand vermutet, dass die Geschichte moderner Kletterausrüstung im Japan der 1930er-Jahre begann. Für den Bau von Kampfflugzeugen suchte man damals einen Werkstoff, der leichter und fester war als alles bisher Verfügbare. Alexandra Schweikart hat sich auf die Spur jener Legierung begeben, die bis heute Kletterausrüstung prägt.
Absturz in der Grauzone
Schlafmangel ist ein Killer: An jedem sechsten Straßenunfall ist er beteiligt. Und in den Bergen? Dazu gibt es kaum Daten, aber deutliche Hinweise aus Statistik und Hirnforschung. Hilmar Schmundt zeigt, wie Müdigkeit Wahrnehmung und Entscheidungen verändert – und warum wir uns zu mehr Sicherheit schlafen sollten.
Wenn der Kopf sagt: „Ich kann nicht mehr“

Durchbeißen gilt am Berg oft als Tugend. Doch Studien zeigen: Wer aufgibt, hat selten ein körperliches Limit erreicht.
Höhenangst
Höhenangst kann selbst erfahrene Bergmenschen in Panik versetzen. Rationale Argumente helfen dann wenig. David Elsasser erklärt, wie Höhenangst entsteht, warum manche Menschen besonders betroffen sind – und was Führungspersonal am Berg in kritischen Momenten tun kann.
Klettern hat mich aus der Essstörung rausgeholt

Für viele ist Alexander „Alex“ Megos vor allem einer der besten Kletterer der Welt. Hinter seinen Erfolgen am Fels und zwei Olympiateilnahmen stehen jedoch auch Jahre voller Leistungsdruck und eine Essstörung, die ihn in seiner Jugend geprägt hat.
Psychische Gesundheit im alpinen Leistungssport
Mentale Stärke wird im Spitzensport oft mit psychischer Gesundheit verwechselt. Doch wer mit Lawinengefahr, Stürzen und extremen Belastungen umzugehen weiß, ist nicht automatisch psychisch gesund. Universitätsprofessorin Katharina Hüfner erklärt, warum psychische Erkrankung und sportlicher Erfolg sich nicht ausschließen – und weshalb Behandlung sich lohnt.
bergundsteigen Magazin: 4x/Jahr im Abo
bergundsteigen #136: Rubriken
bergsönlichkeit: Jürg Schweizer
Seit 2011 leitete Jürg Schweizer das WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) in Davos. Als einer der weltweit führenden Köpfe in der Forschung lag ihm trotzdem immer die Praxis am Herzen: Er veröffentlichte er mehr als 150 wissenschaftliche Beiträge.
Lawinenunfall Vertainspitze

Drei Seilschaften mit insgesamt sieben Bergsteigern begingen am 01.11.2025 die bekannte Vertainspitze-Nordwand in der Ortlergruppe. Eine Lawine erfasste fünf Personen, die den folgenden Absturz nicht überlebten.
Bergführen bedeutet mehr als vorneweg stapfen

Im November übernimmt die Schweizer Bergführerin Rita Christen die Präsidentschaft der Internationalen Vereinigung der Bergführerverbände (IVBV). Ein Gespräch über internationale Herausforderungen, Fehlerkultur und einen Beruf im Wandel.
bergundsteigen Magazin: 4x/Jahr im Abo