LVS- und Störquellen-Check in geführten Gruppen: So geht’s
Als elektronisches Gerät unterliegen LVS-Geräte besonderer Aufmerksamkeit hinsichtlich Wartung und standardmäßiger Kontrolle vor jeder Verwendung. Der Sportwissenschaftler und staatl. geprüfter Ski- und Bergführer Max Bolland erklärt, welche Schritte dabei relevant sind und was beim großen und kleinen LVS-Check zu beachten ist.
Batterie- und Geräte- Selbstcheck
Standardmäßig beim Ein- und Ausschalten kontrollieren alle ihren Batteriestand; min. 30 Prozent bei Tagestouren, min. 50 Prozent bei Mehrtagestouren (hier besser voll!).
Für Tourenleiter:innen gilt: Batteriestand ansagen lassen.
„Großer“ LVS-Check: Empfangs- und Sendekontrolle
Wann: Vor jeder Tour und Tourenwoche und bei neu zusammengesetzten Gruppen.
Wie: Die Gruppe positioniert sich im Halbkreis (etwa drei bis fünf Meter entfernt) um die durchführende Position. Die Teilnehmer:innen halten untereinander mindestens 1,5 Meter Abstand.

Empfangskontrolle
- Jede:r in der Gruppe schaltet auf „suchen“ und richtet LVS auf Leiter.
- Leiter:in ist auf „senden“ und richtet LVS reihum auf die einzelnen Teilnehmer
- Teilnehmer:innen nennen ihre Entfernungsanzeige, wenn Sender auf sie zeigt.
- Achte auf unrealistische/zu hohe Werte!
- Teilnehmer:innen achten auf Veränderung der Richtungspfeile und der Anzeigenwerte während sich Sender hin- und wegdreht.
- Alle schalten ihr LVS auf „senden“ und verpacken es in der Tragetasche oder Hosentasche mit Reißverschluss.
Sendekontrolle

Die Leiterin oder der Leiter geht ca. 10–15 Meter voraus und aktiviert den Gruppencheck-Modus (GC). Die Teilnehmer:innen gehen im Abstand von 1,5–2 Meter an dem Leiter vorbei (der Abstand untereinander beträgt ca. fünf bis acht Meter). Nun kontrolliert die Leiterin, dass alle Geräte angeschaltet sind und wechselt danach in den Sendemodus.
„Kleiner“ LVS-Check – Sende- und Anschaltkontrolle
Wann: Ist am Beginn einer Tourenwoche der große Check in einer Gruppe erfolgt, genügt in Folge der kleine Check – nach Suchübungen oder längeren Pausen.
Wie: Der oder die Leiter:in verwendet den Gruppencheck- Modus. Dieser kann in der Regel nur direkt nach dem Einschalten durch Drücken oder Halten der Mark-Taste aktiviert werden. Im Gruppencheck-Modus (GC) werden nur Geräte in unmittelbarer Nähe (1,5 bis zwei Meter) gemessen.
Alternativ: Siehe Sendekontrolle großer LVS-Check (veraltet; falls Gruppencheck-Funktion nicht gegeben ist).
Ziel jedes LVS-, Lawinen- und Skitourenkurses ist das Beherrschen des großen LVS-Checks!
Der große LVS-Check: Schritt für Schritt
- Die Gruppe steht im Halbkreis mit drei bis fünf Meter Abstand zueinander.
- Der oder die Leiter:in geht von Person zu Person und checkt den Sendestatus.
- Alternativ können die einzelnen Gruppenmitglieder im Abstand von drei bis fünf Metern zueinander an dem oder der „Kontrolleur:in“ vorbeigehen.
Methodische Tipps für Tourenleiter: innen und Bergführer:innen
- Idealerweise wird der große LVS-Check vorab in der Gruppe angekündigt, damit das Gerät nicht unter allen Kleiderschichten verpackt ist.
- Befinden sich die Teilnehmer:innen im Halbkreis, kann diese Aufstellung außerdem genutzt werden, um etwa auf die Routenführung, die Lawinenverhältnisse und die Stimmung in der Gruppe einzugehen.
Für die Vermittlung
- Ziel jedes LVS-, Lawinen- und Skitourenkurses ist das Beherrschen des großen LVS-Checks!
- Der oder die Leiter:in demonstriert und erklärt die Methodik.
- Die Teilnehmer:innen üben bzw. führen den LVS-Check selbst durch.
- Das Einbauen absichtlich fehlerhafter Geräte fördert den Lernprozess (zum Beispiel nennt ein Teilnehmer bei der Empfangskontrolle deutlich zu hohe Entfernungsanzeige, und bei der Sendekontrolle ist ein Gerät ausgeschaltet).
- Die Teilnehmer:innen übernehmen in Folge immer den LVS-Check. Der oder die Ausbilder:in fungiert dabei als Kontrollinstanz, und überprüft am Ende bei jedem Gruppenmitglied das Umschalten auf „senden“.
Interferenz-Check: Wo sind die Störer?
Hintergrund: Wie Handys, Smartwatches und Co. die LVS-Suche beeinflussen
Elektronische Geräte beeinflussen insbesondere die Empfangsfunktion des LVS-Gerätes. Eine räumliche Distanz zwischen LVS und Störquelle behebt das Problem dabei das Problem. Mehr Infos dazu im folgenden bergundsteigen-Artikel:

Störquellen bei der Lawinenrettung: Wie stark stören elektronische Airbagsysteme, Handys & Co. die LVS-Suche und welche Konsequenzen ergeben sich daraus für die Praxis? Zum Artikel
Moderne Geräte bieten den Vorteil, dass sie speziell im Suchmodus (manchmal etwas unzuverlässig) zu nahe Störquellen anzeigen und in der Phase der Signalsuche die empfohlene Suchstreifenbreite entsprechend reduzieren. Im Sendemodus erkennen manche neuere LVS-Geräte nahe Störquellen und regulieren die Sendeleistung hoch, um besser gefunden zu werden.
Grundregel: 20- und 50-Zentimeter Abstand
Mindestens 20 Zentimeter Abstand im Sende- und 50 Zentimeter im Suchmodus (ausgestreckter Arm!), Flugmodus reicht nicht! In besonders störungsreicher Umgebung kann es bei der LVS-Suche notwendig sein, seine Störquellen an Nicht-Suchende zu übergeben, im Rucksack zu verstauen oder sie sogar auszuschalten (abwägen, was schwerer wiegt).
Smartphone-Check

Alle legen eine Hand auf ihr LVS und die andere Hand auf Trageort ihres Smartphones. Der oder die Leiter:in kontrolliert die Abstände und thematisiert daraufhin die Problematik sowie die 20/50-Regel.
„Elektrohand-Check“: GPS-Uhr, Smartwatch und Co. prüfen

Alle heben die Hand bzw. Hände, an denen sie elektronische Geräte wie GPS-Uhr, Smartwatch oder -Ring oder beheizbare Handschuhe tragen, anschließend heben sie zusätzlich die Hand, mit der sie das LVS-Gerät während der Suche halten. Der oder die Leiterin kontrolliert, dass die Störquelle und Bedienhand nicht auf gleicher Seite sind.
Finaler Check: Elektrogeräte prüfen
Nun legen alle ihre Hand auf weitere Elektrogeräte, die sie mit sich führen. Die 20/50-Regel wird dabei wieder kontrolliert. Auf das Störpotenzial bestimmter elektronischer Lawinenairbags sollte gesondert hingewiesen werden.
Methodische Tipps für Tourenleiter: innen und Bergführer:innen
- Im Analogmodus (oder altem analogen Gerät) können Störquellen und der Einfluss des Abstands hörbar veranschaulichen werden.
- Ein Reichweitentest mit und ohne Störquellen zeigt den Einfluss optisch.

Das „Abhören“ von Störquellen, etwa Go Pro, Walkie Talkie oder ähnliches, kann mittels Analogmodus erfolgen.
Allgemeine Hinweise
Welche Geräte verwenden?
Minimalanforderungen sind digitale Signalverarbeitung und Dreiantennentechnologie, um eine zielgerichtete Suche zu realisieren. Für Personen in Führungs- oder Verantwortungsposition sind zudem Gruppencheckfunktion und Markier-Option Pflicht. Letzteres, um Mehrfachverschüttungen sinnvoll lösen zu können.
Verwendungsdauer
Grundsätzlich: nach Herstellerangaben und Einhaltung der empfohlenen Serviceintervalle! Bei regelmäßiger Kontrolle können LVS-Geräte so lange verwendet werden, bis sie nicht mehr funktionieren (Achtung: auch eine permanente Fehleranzeige oder Brüche am Gehäuse kein ordnungsgemäßer Zustand mehr!) oder Service und Reparatur herstellerseits nicht mehr angeboten werden (siehe bergundsteigen-Artikel unten).
Service & Wartung
- Nach jeder Tour das Ausschalten nicht vergessen.
- Am Saisonende sollte man zwingend die Alkaline-Batterien entnehmen bzw. Lithium-Ionen-Akkus voll aufladen.
- Software-Updates wahrnehmen
- Sinnvoll ist ebenfalls eine Geräteregistrierung beim Hersteller, um Software-Updates, sicherheitsrelevante Rückrufe und Garantieverlängerung zu erhalten.
- LVS-Geräte müssen immer trocken gelagert werden.

Ab wann muss ich mein LVS-Gerät austauschen? Ein LVS-Gerät gehört zur obligatorischen LVS-Ausrüstung. Doch wie lange kann man ein älteres Modell noch zuverlässig nutzen? Wir haben die ersten Dreiantennen-Modelle Pieps DSP1, Mammut Element Barryvox und Ortovox 3+ mit aktuellen Geräten verglichen.
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Alle Illustrationen: Lana Bragin