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|Pic by Pauli Trenkwalder|Lawine Größe 5
19. Dez 2018 - 2 min Lesezeit

Lawinengrössen „neu“

Im Sommer 2018 haben die Europäischen Lawinenwarndienste die Lawinengrössen angepasst und werden in der Saison 2018/19 einheitlich mit diesen neuen Definitionen arbeiten.

Die bisherigen Bezeichnungen werden um eine Stufe downgegraded (alte Stufe 2 „Kleine Lawine“ gehört nun zu Stufe 1 „Rutsch“) und die Stufe 5 heisst nun neu „extrem grosse Lawine“ (anstelle von „sehr grosse Lawine“, die jetzt Stufe 4 ist).

„Wir zogen genussvoll unsere Spuren im stiebenden, knietiefen Powder. Plötzlich ein lautes Wumm und fast zeitgleich setzte sich der ganze Hang vor uns in Bewegung. Wir hatten eine riesengrosse Schneebrettlawine ausgelöst, gewiss 300 m breit und 150 m lang …“

Riesengross? Bis vor kurzem hätte das gemäss offizieller Definition gerade einmal für eine „mittlere“ Lawine gereicht. Und viele der tödlichen Unfalllawinen waren als „klein“ zu bezeichnen. 

Wie gross eine Lawine eingeschätzt wird, ist oft subjektiv und von den Umständen abhängig. Die Europäischen Lawinenwarndienste haben die Lawinengrössen definiert und auf diesen Winter deren Bezeichnungen angepasst. Sie sollen dem Empfinden der Wintersportler besser entsprechen und die Skala der Lawinengrössen soll bekannter werden, um die Verständlichkeit der Lawinenbulletins zu verbessern. 

Dabei ist die Einprägung typischer Bilder für die Abschätzung der Lawinengrössen hilfreich.

Lawine Größe 1, Foto: SLF I bergundsteigen.blog
Lawine Größe 1, Foto: SLF

Grösse 1: kleine Lawine oder Rutsch

  • Länge ca. 10 bis 30 m, Volumen ca. 100 m3
  • Schon eine kleine Lawine kann eine Person im extremen Steilgelände mitreissen und zum Absturz bringen. Eine Verschüttung ist unwahrscheinlich, ausser bei einem sehr ungünstigen Auslaufbereich wie zum Beispiel einer Senke am Hangfuss oder unter einer Stützmauer. 
  • Kleine Lawinen stoppen meist im Bereich des Steilhanges.

„Rutsch“ bezeichnet im Volksmund teils „eine kleine Lawine“, teils eine „Gleitschneelawine“ (Rutschen auf dem Boden). In dieser Definition ist ausschliesslich „kleine Lawine“ gemeint.

Lawine Größe 1, Foto: REGA I bergundsteigen.blog
Lawine Größe 2, Foto: REGA

Grösse 2: mittlere Lawine

  • Länge ca. 50 bis 200 m, Volumen ca. 1.000 m3
  • Dies sind die typischen Skifahrerlawinen, die Personen verschütten, verletzen oder töten können.
  • Sie können den Hangfuss erreichen.
Lawine Größe 3, Foto: SLF I bergundsteigen.blog
Lawine Größe 3, Foto: SLF

Grösse 3: grosse Lawine

  • Länge mehrere 100 m, Volumen ca. 10.000 m3
  • Grosse Lawinen sind nicht nur für Personen lebensgefährlich, sondern können auch bedeutenden Sachschaden anrichten. Sie können PKWs verschütten und zerstören, schwere Lastwagen beschädigen, kleine Gebäude zerstören und einzelne Bäume brechen. 
  • Sie können flache Geländeteile (deutlich unter 30°) über eine Distanz von bis zu ca. 50 m überwinden.
Lawine Größe 4, Foto:J.-L. Lugon I bergundsteigen.blog
Lawine Größe 4, Foto: J.-L. Lugon

Grösse 4: sehr grosse Lawine

  • Länge ca. 1 bis 2 km, Volumen ca. 100.000 m3 
  • Sehr grosse Lawinen können schwere Lastwagen und Züge verschütten und zerstören sowie grössere Gebäude und kleine Waldflächen zerstören. 
  • Sie überwinden flachere Geländeteile über eine Distanz von mehr als ca. 50 m und können den Talboden erreichen.
Lawine Größe 5, Mogno 1986, Foto: SLF I bergundsteigen.blog
Lawine Größe 5, Mogno 1986, Foto: SLF

Grösse 5: extrem grosse Lawine

  • Länge ca. 3 km, Volumen über 100.000 m3
  • Diese Lawinen haben katastrophales Zerstörungspotenzial und schliessen die grössten, bekannten Lawinen ein. Wald-, Gebäude- und Landschaftsschäden sind zu erwarten.
  • Sie erreichen den Talboden

Erschienen in der
Ausgabe #105