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Die drei Alpinisten nach der Besteigung der 800 Meter langen Südwand des Meru Peak im indischen Garwal-Himalaya. Foto: Daniel Hug
01. Jun 2023 - 3 min Lesezeit

Schäli, Gietl und Maynadier gelingt Erstbegehung am Meru Peak

Den drei Profi-Alpinisten Roger Schäli, Simon Gietl und Mathieu Maynadier ist die Erstbegehung der Südostwand des 6660 Meter hohen Meru Peak gelungen. Schäli und Maynadier hatten die 800 Meter lange Route (M6+, A1) bereits 2019 versucht.

Am 13. Mai konnten der Franzose Mathieu Maynadier, der Schweizer Roger Schäli und der Südtiroler Simon Gietl die Südostwand des 6660 Meter hohen Meru Peak im indischen Garhwal-Himalaya durchsteigen und eine neue Route eröffnen. Die 800 Meter lange Route „Goldfish“ (M6+, A1) kletterten die Erstbesteiger im Alpinstil. Die Erstbesteigung gelang im zweiten Anlauf, nachdem Maynadier und Schäli im Herbst 2019 mit dem damaligen Seilpartner Sean Villanueva wetterbedingt im oberen Wanddrittel umdrehen mussten. 

Anspruchsvolle Erstbegehung durch die Südwand des Meru Peak (M6+, A1). Foto: Daniel Hug
Anspruchsvolle Erstbegehung durch die Südostwand des Meru Peak (800 m, M6+, A1). Foto: Daniel Hug

Auch in diesem Jahr schien die Expedition aufgrund widriger Wetterbedingungen unter einem schlechten Stern zu stehen. Der Zustieg von Camp 1 zu Camp 2 war mit zunehmender Dauer lawinengefährdet, Teilbereiche wiederum stark ausgeapert und die Wegfindung durch das Spaltenlabyrinth anspruchsvoll.

Die besondere Schwierigkeit der Route bestand in Kombination aus den klettertechnischen Schwierigkeiten, der anspruchsvollen Absicherung, der grossen Höhe und den alpinen Gefahren.

Roger Schäli

Am 11. Mai nutzte die Dreierseilschaft ein lang ersehntes Wetterfenster und startete vom Basecamp Tapovan (4300 m) direkt zum Lager C2 (5800 m). Mathieu Maynadier hatte mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen, sodass der Aufstieg für ihn ausserordentlich kräftezehrend war. Am 12. Mai stiessen Simon Gietl und Roger Schäli mit der Kletterausrüstung bis an das erste Felsband vor, deponierten die Seile und legten eine Aufstiegsspur durch das steile Schneefeld. Maynadier nutzte den Tag, um sich zu erholen.

Tagsdarauf startete das Team um drei Uhr morgens in die Wand. Um 23 Uhr bot eine exponierte Wechte in 6500 Metern Höhe die Möglichkeit, ein Biwak einzurichten. Nach einer kurzen und wenig komfortablen Nacht zu dritt im Zweimannzelt konnte der Gipfel in Angriff genommen werden. „Der Aufstieg war sehr intensiv und zeitwändig“, erzählt Roger Schäli. „Zeitweise mussten wir den Fels von bis zu einem halben Meter Neuschnee reinigen, bevor wir eine Zwischensicherung legen konnten. Und da war kein Eis, um gelegentlich auch mal eine Eisschraube zu setzen. Ständig drohten alpine Gefahren, u.a. durch Wechtenabbrüche. Zudem wussten wir, dass das Wetterfenster sehr kurz sein würde“.

Nach weiteren drei Seillängen im eisigen Wind, führte ihr Weg auf die Gratwechte und schließlich – nach weiteren 200 Höhenmetern -über eine steile Schnee-Eis-Flanke auf den Gipfel des Meru Peak. Abgeseilt wurde über die gleiche Route, C2 und C1 abgebaut und die neue Route auf Indiens bekanntesten Sechstausender gebührend gefeiert.

Goldfish, 800 m, M6+ A1

Die Namenwahl Goldfish wurde in Anlehnung an den 6310 Meter hohen Mittelgipfel gewählt, der 2001 von Waleri Babanow erstbestiegen wurde und aufgrund seiner Form unter dem Namen „Shark’s Fin“ bekannt ist.

Der 6660 Meter hohe Meru ist Teil der Gangotri-Gruppe im Garhwal-Himalaya. Der Berg liegt im indischen Bundesstaat Uttarakhand, zwischen den in Alpinkreisen ebenso bekannten Gipfeln Shivling im Osten und Thalay Sagar im Westen. 

Quelle: Pressemitteilung, Roger Schäli, Fotos: Daniel Hug, @terragraphy