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Seil-oder-nicht-Seil
29. Okt 2021 - 12 min Lesezeit

Seil oder nicht Seil? 4 Sicherungstechniken für Hochtouren

Hochtouren führen über Gletscher, durch Firn- und Eisflanken und Felsgelände. Eine große taktische Aufgabe dabei ist es, Spaltensturz-, Absturz- und Mitreißgefahr abzuwägen und eine angemessene und effiziente Sicherungstechnik auszuwählen. Florian Hellberg war für den DAV in die Aufarbeitung des tragischen Mitreißunfalls 2017 am Gabler involviert. In seinem Artikel stellt er die Sicherungsoptionen auf Hochtour gegenüber und erörtert Vor- und Nachteile.

Die Frage nach der optimalen Sicherungstechnik auf Hochtour ist nicht neu. Pit Schubert warnte schon in den 1980er Jahren vor der Mitreißgefahr bei gleichzeitigem Gehen am Seil.  Zahlreiche „bergundsteigen“-Artikel beschäftigen sich mit Hochtouren-Sicherungsmethoden. In den Ausgaben #96 und #98 plädieren Bruno Hasler und Kurt Winkler für mehr gleichzeitiges „Gehen am kurzen Seil“. Florian König und Arne Bergau stellen in bergundsteigen #105 in einem Alpin-Tutorial diverse Sicherungsmethoden anhand einer Hochtour dar. Der von Andreas Schlick und Stefan Stadler in der aktuellen Ausgabe #116 dargestellte Mitreißunfall 2017 in den Zillertaler Alpen mit sechs Toten ruft die Tragik und Brisanz dieser Diskussion wieder in Erinnerung.

Die Faktoren, die bei der Wahl der Sicherungstechnik im Hochtourengelände gegeneinander abzuwägen sind, zeigen sich auch in der DAV-Unfallstatistik: Betrachtet man die tödlichen Unfälle von DAV-Mitgliedern der letzten 20 Jahre auf Hochtouren (im vergletscherten Hochgebirge im Firn oder Eis, Felsgelände bis II und auf ausgesetzten Graten), ist ungesicherter Absturz mit einem Anteil von 28 % die Hauptursache. Dies gilt selbst dann, wenn man den Anteil von 18 %, bei dem nicht eindeutig ist, ob Absturz oder Herzversagen ursächlich waren, nicht berücksichtigt. Den zweitgrößten Anteil haben dann mit 25 % die Mitreißunfälle. Ebenfalls eine Rolle, mit 4 % Anteil, spielen die ungesicherten Spaltenstürze. Die Frage ist: Was wäre passiert, wenn die durch „ungesicherten Absturz“ Verunfallten (die nicht alleine unterwegs waren) angeseilt gewesen wären? Die provokante Annahme dazu: Bei gleichzeitigem Gehen am Seil ohne echte Sicherung wären ihre Seilschaftspartner wohl zum Teil mit abgestürzt! Aber: Unter Anwendung situativ angebrachter Sicherungsmaßnahmen hätten sowohl ein Teil der Abstürze ohne Sicherung wie auch einige der Mitreißunfälle vermieden werden können. Im Folgenden werden deswegen die verschiedenen Möglichkeiten der Seilsicherungstechnik für Hochtouren aufgeführt und diskutiert.

Unfalldaten Quelle: DAV Unfallstatistik
Die Unfälle von DAV-Mitgliedern von 2000-2020 auf Hochtouren (im vergletscherten Hochgebirge im Firn oder Eis, Felsgelände bis II und auf ausgesetzten Graten) aufgeschlüsselt nach Ursachen. Quelle: DAV Unfallstatistik

Sichern bei Spaltensturzgefahr und Grenzen der Gletscherseilschaft

Auf einem schneebedeckten, flachen Gletscher ist wegen der Spaltensturzgefahr gleichzeitiges angeseiltes Gehen mit etwa zehn Meter Abstand die Sicherungstechnik der Wahl. Hierin besteht Einigkeit.

Im Sturzgelände ist diese Sicherungstechnik hingegen fatal: Besonders wenn der oberste der Seilschaft stürzt, ist es für das Team unmöglich, den Sturz zu halten, da der Stürzende bis zu zwanzig Meter Fahrt aufnimmt, bevor sich das Seil zu den anderen in der Seilschaft strafft. Dann droht Verletzungs- oder Lebensgefahr durch Mitreißen.

Wenn Absturzgefahr besteht, sind deshalb andere Sicherungstechniken notwendig. Aber: Wann besteht Absturzgefahr? Das hängt ab von Geländefaktoren (Steilheit, Hangform und -auslauf), menschlichen Faktoren (Gewichtsverhältnis, persönliches Können, Konzentration, Ausrüstung, etc.) und den Verhältnissen vor Ort (harter oder weicher Schnee, Eis, gute oder schlechte Spur).

  • Je härter und steiler die Oberfläche ist, umso schwieriger ist es, sich selbst (oder einen Seilpartner) zu halten, wenn man ins Rutschen kommt.
  • Ab 30 Grad Hangneigung beschleunigt ein Gestürzter auf hartem Schnee annähernd so schnell wie im freien Fall.
  • Bei blankem Eis oder hartgefrorenem Schnee besteht auch schon im mäßig steilen Gelände die Gefahr, dass man im Falle eines Sturzes nicht mehr selbst bremsen kann.
  • Im Aufstieg ist man deutlich weniger „fehltrittanfällig“ als im Abstieg.
  • Eine gute Spur ist ein deutliches Sicherheitsplus. Das Gehen ist leichter, man stürzt nicht so schnell und hat einen besseren Stand, um Seilzug halten zu können.
  • Trittsicherheit, eine solide Steigeisentechnik, ein vernünftiges Tempo und hohe Konzentration sind von zentraler Bedeutung. Gut sitzende Bergschuhe, scharfe und richtig angepasste Steigeisen und Beinbekleidung ohne Stolperfallen sind Voraussetzung.
Anseilen am Gletscher (Illu: Georg Sojer)
Anseilen am Gletscher (Illu: Georg Sojer)

Sichern bei Absturzgefahr

Im Gelände mit Absturzgefahr gibt es mehrere Möglichkeiten zu sichern. Zur Auswahl stehen: das Sichern über Fixpunkte (Stand zu Stand oder gestaffeltes Klettern), das gleitende Seil, das Sprungseil oder das „gleichzeitige Gehen“ (also Sichern!) am kurzen Seil. Um im einfachen Gelände zwischen absturzgefährdeten Passagen nicht zeitraubend das Seil verstauen zu müssen, kann man auch nur zum „Seiltransport“ angeseilt bleiben. Ebenfalls ist es natürlich eine Möglichkeit, sich ungesichert „seilfrei“ zu bewegen. Die „optimale“ Sicherungstechnik, die es anzustreben gilt, ist „ausreichend sicher“ für Situation und Team und „zeitsparend“ in der Anwendung – samt Wechsel der Methode bei wechselndem Gelände.

1. Sichern über Fixpunkte

  • Von Stand zu Stand zu sichern ist im schweren Fels oder Eis sinnvoll. In Zweier- oder Dreierseilschaft steigt einer mit Zwischensicherungen vor. Nachgesichert wird vom Standplatz aus; mit Seilweiche können auch zwei Nachsteiger gesichert werden.
  • Gestaffeltes Klettern kann im leichten, gegliederten Gelände sinnvoll sein. Das Seil wird auf 20 bis 30 Meter verkürzt. Einer steigt vor, bei Bedarf mit Zwischensicherungen, und sichert die Nachsteiger an einem behelfsmäßigen Stand. Behelfsmässige Stände können nach unten haltende Fixpunkte wie Köpfelschlingen oder unter Umständen auch Körpersicherung sein, nämlich bei ausgezeichneter Standfestigkeit (etwa auf der anderen Seite des Grates stehend oder um einen Felsturm herum).  
  • Bei mehr als drei Personen ist die Fixseilraupe eine sinnvolle Alternative für solches Gelände. Hier steigt der Seilschaftsführer bis zum Stand vor, die Nachsteiger sichern sich durch Prusik oder Seilklemmen am fixierten Seil.
  • Im Abstieg wäre dann Abseilen oder Ablassen über einen Fixpunkt die Sicherungstechnik, um schweres Gelände zu überwinden.
  • Sichern oder Abseilen über Fixpunkte bieten zwar große Sicherheit, sind aber zeitaufwendig – und das umso mehr, je weniger Übung man hat.
Verkürztes Seil / Fixpunktsichern (Illu: Georg Sojer)
Verkürztes Seil / Fixpunktsichern (Illu: Georg Sojer)

2. Gleitendes Seil mit Rücklaufsperre

Typischer Anwendungsbereich für diese Technik sind steile Blankeispassagen im Aufstieg. Der Seilschaftsführer steigt vor (möglichst die ganze Länge des Seils), bei Bedarf mit Zwischensicherungen, hängt an einem (möglichst soliden) Fixpunkt eine Rücklaufsperre ins Seil und steigt weiter. Wenn das Seil aus ist, steigt der Nachsteiger (oder maximal zwei) gleichzeitig mit dem Vorsteiger nach oben; einen Nachsteigersturz hält die Rücklaufsperre. Das geht schneller als das Sichern von Stand zu Stand, da man mit mehreren Rücklaufsperren auch weitere Strecken gleichzeitig klettern kann. Dabei ist Kommunikation zwischen Vor- und Nachsteiger sehr wichtig (Informationsgabe vor Aushängen der Rücklaufsperre von unten nach oben) und die Seilschaft muss das Gelände gut beherrschen. Denn die Technik kann nur den Totalabsturz verhindern, im Falle eines Sturzes sind Verletzungen – wahrscheinlich beider Kletterpartner – so gut wie vorprogrammiert.

Gleitendes Seil mit Rücklaufsperre
Gleitendes Seil mit Rücklaufsperre (Illu: Georg Sojer)

3. Gleitendes Seil mit Zwischensicherungen (mit verkürztem Seil)

Diese Technik taugt vorwiegend für einfache Felsgrate. Die (Zweier-)Seilschaft klettert gleichzeitig und zwischen den Seilpartnern ist immer mindestens ein Fixpunkt (besser: zwei!) als Zwischensicherung eingehängt oder das Seil um Geländestrukturen gelegt. Meist ist es sinnvoll, das (Einfach-) Seil auf 20 bis 30 Meter zu verkürzen oder ein Halbseil doppelt zu verwenden. Die Technik ist relativ schnell, besonders wenn beide Seilschaftsmitglieder vorsteigen können und dadurch – sobald das Material beim Vorsteiger aufgebraucht ist – einfach im Überschlag wechseln können. Das Gelände müssen beide ohnehin souverän beherrschen; auch diese Technik verhindert nur den Totalabsturz.

Gleitendes Seil
Gleitendes Seil (Illu: Georg Sojer)

4. Sprungseil

Die Sprungseiltechnik kommt nur auf reinen Firngraten infrage. Im Felsgelände sind Verletzungs- und Seilrissgefahr zu hoch. Beide Mitglieder der Zweierseilschaft haben jeweils fünf bis acht Meter Schlappseil in Schlaufen in der Hand und gehen gleichzeitig. Wenn einer vom Grat rutscht, springt der andere auf die gegenüberliegende Seite und verhindert so den Totalabsturz der Seilschaft. Die Schlappseilschlaufen stellen ihm ein paar Augenblicke Zeit zur Verfügung. Voraussetzung ist entschlossenes Handeln. Insbesondere wenn Wechten Abstand von der Gratschneide erzwingen, gehtʼs beim Spurt auf die andere Seite ums nackte Überleben.

Sprungseil
Sprungseil (Illu: Georg Sojer)

Seiltransport

Im sicheren Gelände zwischen absturzgefährdeten Passagen kann man lediglich zum „Seiltransport“ angeseilt weiter gehen. So spart man sich zeitaufwendiges Aus- und Anseilen zwischen Passagen, in denen man sichert. Das Seil zwischen den Kletterpartnern wird dazu am besten bis auf ein paar Meter verkürzt und im Abbund über die Schulter „transportiert“.

Seiltransport
Seiltransport (Illu: Georg Sojer)

Gehen/Sichern am kurzen Seil

Bei dieser Technik gehen Führer und Geführter gleichzeitig, verbunden durch nur wenige Meter Seil. Gerät der Geführte ins Stolpern, muss der Führer bereits im Ansatz blitzschnell verhindern, dass daraus ein Sturz wird. In der Schweiz wird gleichzeitiges Gehen am kurzen Seil auch für Privatseilschaften gelehrt, in Deutschland und Österreich vor allem für staatlich geprüfte Bergführer. Vor- und Nachteile werden unterschiedlich gewichtet, in folgenden Punkten besteht Einigkeit:

  • Der Seilerste (Im Auf- und Abstieg der Obere) darf nicht stürzen! Denn bis sich das Seil strafft, hat er so viel Fahrt aufgenommen, dass er unweigerlich die ganze Seilschaft mitreißt. Außerdem muss er dem Gelände jederzeit derart überlegen sein, dass er einer zusätzlichen äußeren Kraft widerstehen kann.
  • Ein Stolperer des Seilzweiten kann bei gleichzeitigem Gehen vom Oberen nur direkt im Ansatz gehalten werden. Wird ein Sturz daraus, dann ist es wahrscheinlich schon zu spät und der Seilschaftssturz droht!
  • Daraus ergibt sich, dass Schlappseil oder zu lange Seilabstände verheerend sind.
  • Ebenso steigt das Absturzrisiko bei gleichzeitigem Gehen mit mehr als zwei Seilschaftsmitgliedern enorm an.

Aus diesen Punkten folgern wir in Deutschland, dass diese Technik nur infrage kommt, wenn ein deutliches Leistungsgefälle in einer Seilschaft besteht und der Stärkere bereit ist, das für ihn höhere Risiko in Kauf zu nehmen. Es entsteht eine „Führungssituation“. In der Schweiz wird die beruhigende psychologische Wirkung des Seils stärker gewichtet – und dass bei seilfreiem Gehen die Hürde größer ist, in schweren Passagen zum Sichern über Fixpunkte zu wechseln.

Klar ist auch: Der Übergang von „angeseiltem Seiltransport ohne Sicherungsfunktion“ zum „gleichzeitigen Gehen am kurzen Seil mit Sicherungsfunktion“ ist fließend!

Gehen am kurzen Seil
Gehen am kurzen Seil (Illu: Georg Sojer)

Seilfreies Gehen

Dem bewussten Verzicht auf ein Sicherungsseil liegt eine nüchterne Risikoabwägung zugrunde: Das Schadensausmaß ist reduziert, wenn nur eine Person ins Rutschen kommt. Und: Eine Person alleine hat immer noch Chancen, ihr Rutschen wieder zu stoppen. Wenn dagegen eine angeseilte Seilschaft Fahrt aufgenommen hat, verheddern sich die Mitglieder im Seil und ziehen sich gegenseitig nach unten. Außerdem: Wenn nur einer abstürzt, dann gibt es noch jemanden, der einen Notruf absetzen und/oder Erste Hilfe leisten kann.

Hat man sich allerdings für das seilfreie Gehen entschieden, wächst dadurch die Hürde, später auf die Sicherung mit Seil umzustellen. So rumpelt man womöglich seilfrei in schwerere oder heikle Kletterpassagen oder in unvorhergesehene schwierige Stellen, wie etwa bei einer dünnen Neuschneeauflage auf Blankeis. Oft wird dann alleine schon das Anseilen gefährlich, weil man ungesichert ausgesetzt im wilden Gelände steht. Ein weiterer Aspekt ist, dass sich Gruppen beim seilfreien Gehen leicht auseinanderziehen und der Sicherungsbedarf von einzelnen Gruppenmitgliedern nicht von allen wahrgenommen wird. Besonders stärkere Mitglieder sind dann vielleicht vorneweg – samt dem Seil in ihrem Rucksack … Stärkere sollten für diese Problematik sensibel sein und eventuell das Seil im Abbund am Körper tragen, damit es zum Sichern griffbereit ist.

Die Abwägung, wann seilfreies Gehen noch für alle im Team passt, ist nicht einfach. Sie erfordert realistische Selbsteinschätzung, Einfühlungsvermögen und offene, klare Kommunikation – wie generell jede Entscheidung über angemessene Sicherungsmaßnahmen!

In der Praxis

Eine effektive Sicherungstechnik besteht in der Praxis aus einer flexiblen Kombination der verschiedenen Methoden. Beispielsweise macht es oft Sinn, beim Arbeiten mit gleitendem Seil und Rücklaufsperren, die letzte „Seillänge“ über einen Fixpunkt nachzusichern. Auch bei einem Einstieg in eine Eiswand mit Randkluft ist eine Methodenkombination naheliegend: Über die Randkluft, wird der Seilerste im Aufstieg, mit Hilfe des Gegengewichts des Seilzweiten über einen langen Seilabstand gesichert. Anschließend wird entweder auf gleitendes Seil mit Zwischensicherung und Rücklaufsperre oder Nachsichern über einen Fixpunkt umgestellt. Die Anforderungen an die Kompetenz einer Hochtourenseilschaft beim Anwenden einer solch variablen und situationsangepassten Sicherungstechnik sind sehr hoch! Das Gelände muss vorausschauend beurteilt und die Konsequenzen eines möglichen Sturzes abgeschätzt werden. Demensprechend wird eine passende Maßnahme ausgewählt, geplant und das Risiko bewertet. Bei der Umsetzung der Sicherungstechnik müssen geeignete Fixpunkte geschaffen und seiltechnisches Können beherrscht werden. Dieser Prozess läuft in anspruchsvollem Gelände ständig mit und zusätzlich müssen die Entscheidungen in der Seilschaft abgesprochen werden.

Ausbildung

Für Ausbilder stellt sich deshalb die Frage, welche Sicherungstechniken zu welchem Teilnehmerniveau passen. Einerseits sollten den Teilnehmern sinnvolle Techniken nicht vorenthalten werden. Auf der anderen Seite besteht die Gefahr, die Teilnehmer zu überfordern. Immer wieder ist deshalb zu beobachten, dass weniger versierte Hochtourengeher eine „Alibisicherungstechnik“ mit der Gefahr eines Seilschaftsabsturzes erlernen und anwenden. Dies kann beispielsweise der Fall sein, wenn Teilnehmern die Erfahrung im Beurteilen von Fixpunkten fehlt. In der DAV Trainerausbildung sind die Sicherungstechniken, die zwischen seilfreiem Gehen und Standplatzsicherung angesiedelt sind, in den letzten Jahren mehr in den Fokus gerückt. Im Hoch- und Skitourenbereich ist (neben den klassischen Gruppenführungstechniken wie Fix- und Geländerseil) gestaffeltes Klettern am verkürzten Seil, die Anwendung der multiplen Weiche oder das Sichern mit gleitendem Seil am Blockgrat Inhalt der Trainer C Ausbildung. Für den Trainer B-Hochtouren ist zusätzlich gleitendes Seil mit Rücklaufsperre im Blankeis, Sprungseil an Firngraten und eine „Sensibilisierungseinheit“ (praktische Übung) zum Führen am kurzen Seil im Abstieg von einer Person im Firn Ausbildungsinhalt. Ziel dieser Sensibilisierungseinheit ist zum einen das Aufzeigen und Erfahren der Grenzen und Problematiken des kurzen Seils, zum anderen die Handreichung einer Methode, um im Notfall (schwache Personen) auf Firnhängen im Abstieg einer einzelnen Person Unterstützung bieten zu können (siehe auch die Leserbriefantwort von Markus Fleischmann in der letzen Ausgabe). Die Sensibilisierungseinheit zum kurzen Seil war dabei Gegenstand intensiver Diskussion, besonders unter Bergführern. Im DAV findet derzeit eine umfangreiche Neukonzipierung der alpinen Trainerausbildungen statt, in deren Zuge den Techniken zwischen Gletscherseilschaft und Stand zu Stand Sicherung zukünftig noch mehr Rechnung getragen werden soll.

Welche Techniken aus dem vorgestellten Repertoire in Hochtouren Kursen von DAV Sektionen für Vereinsmitglieder oder in Hochtourenkursen von Bergführern geschult werden, ist noch sehr unterschiedlich und bisher nicht ausdiskutiert. Persönlich denke ich, dass auch bei den privaten Hochtourengehern eine größere Bandbreite von Sicherungstechniken ankommen sollte – nicht zuletzt, weil es wegen Ausaperung und Gletscherrückgang auch auf vermeintlich „leichten“ Hochtouren vermehrt anspruchsvolle Passagen gibt.

Seiltechniken
Anmerkungen:
– Leicht und schwer ist nicht als absolute Kategorie zu sehen, sondern vom persönlichen Können der Seilschaft, Tagesform und den Verhältnissen abhängig.
– Die Darstellung bezieht sich auf die korrekte Anwendung der Techniken. Bei allen Sicherungstechniken mit Fixpunkten entscheidet deren Qualität natürlich über Sicherheitsgewinn oder Alibiwirkung mit dem Risiko eines Seilschaftsabsturzes!

Erschienen in der
Ausgabe #116 (Herbst 21)

bergundsteigen 116 (herbst 2021) cover