bergundsteigen #133 (Winter 2025/25).
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Windfahnen
19. Feb. 2026 - 5 min Lesezeit

Powder: Gefahrenzeichen von Triebschnee im Gelände wahrnehmen und erkennen

Triebschnee zählt zu den häufigsten, aber auch am besten erkennbaren Lawinenproblemen. Voraussetzung dafür ist, dass man die typischen Gefahrenzeichen im Gelände wahrnimmt und richtig interpretiert. Wind formt die Schneedecke sichtbar – durch Wechten, Dünen, Gangeln oder Anraum – und zeigt damit oft sehr klar, wo sich störanfällige Schneepakete abgelagert haben. Wer diese Zeichen lesen kann, gewinnt entscheidende Informationen für die sichere Routenwahl.

Aber Vorsicht, auch ein Triebschneeproblem kann sich als tückisch erweisen!

Befindet er sich an der Oberfläche, kann man ihn bei ausreichend Sicht gut erkennen. Werden allerdings frische Triebschneepakete von lockereren Neuschneeschichten – die ohne Wind fielen – überlagert, sind viele Gefahrenstellen im Gelände nicht mehr ersichtlich. Man nimmt überwiegend die fluffig-lockere Neuschneeoberfläche und ein scheinbar traumhaftes Pulververgnügen wahr, was eine trügerische Sicherheit vermittelt.

Besondere Vorsicht ist geboten, wenn ein ausgeprägtes Altschneeproblem durch das

  • Gefahrenmuster 1 (bodennahe Schwachschicht),
  • gm. 5 (Schnee nach langer Kälteperiode)
  • oder gm. 4 (kalt auf warm/ warm auf kalt)

besteht, oder sich an der Schneeoberfläche lockere Kristalle, Oberflächenreif oder Graupel befinden. Lagert sich dort ein Triebschneepaket ab, sind die Zutaten für eine Lawine nahezu perfekt und die Schneedecke leicht störbar.

Auch wenn ein Triebschneeproblem nicht so tückisch ist wie ein Altschneeproblem, sollte man dennoch auf den Lagebericht achten und gewisse Bereiche konsequent meiden.

Entstehung von Triebschnee

Wechten mit Wechtendach.
Wechten mit Wechtendach. Foto: mountainsilence

Worauf sollte man bei einem Triebschneeproblem achten?

 Windzeichen

1) Wechten

Wechten sind vor allem kammnah gute Anzeichen von Windverfrachtungen. Durch sie kann man erkennen, wo der Wind den Schnee hingetragen und als Triebschnee abgelagert hat.

Windzeichen im Gelände
Windzeichen im Gelände. Foto: mountainsilence

Dort, wo sich das überhängende Dach der Wechte befindet, ist die Leeseite – hier wurde der verfrachtete Schnee abgelagert. Die Wechte zeigt uns die Windrichtung an: Der Wind wehte in die Richtung, in die die Wechte überhängt.

Die Luvseite zeigt gegen die Windrichtung. Dort befinden sich abgeblasene, teilweise freigelegte Bereiche, sowie die flache Seite der Wechte.

Kleine Eselsbrücke, wie man sich besser merken kann, welche der beiden – Lee oder Luv- die gefährliche Seite ist: „Der Leebereich ist Le(e)bensgefährlich, denn dort liegt der Triebschnee.

2) Dünen

Sind leichte Wellen an der Schneeoberfläche und eine typische Ablagerungsform von Triebschnee. Die flache Seite der Düne zeigt uns die Luvseite an, dadurch kann man die Windrichtung eruieren, was aber nicht immer deutlich zu erkennen ist. Besser, man meidet diese Bereiche.

Windgangeln und -dünen
Windgangeln und -dünen. Foto: mountainsilence

3) Gangeln bzw. Sastrugi

Gangeln sind Schneeformen, die an der Schneeoberfläche bestehen bleiben, wenn der Wind den weicheren Schnee aus der Oberfläche „rausfräst“. Es handelt sich nicht um eine Ablagerungsform, sondern um die teilweise recht harten Schneestrukturen, die stehen bleiben, wenn der Wind den weicheren Schnee weggetragen hat.

Die steile Seite zeigt die Luvseite, also die windzugewandte Seite. Die flachere Seite der Gangeln ist die Leeseite. Im direkten Bereich von Gangeln herrscht kein Triebschneeproblem, aber es zeigt uns an, dass Schnee verfrachtet wurde und auch in welche Richtung.

4) Anraum

An Gipfelkreuzen kann man Anraum häufig beobachten, aber auch auf Felsen, Pflanzen oder anderen Hindernissen. Auch der Anraum ist ein Indiz für die Windrichtung. Dort wo er hinzeigt, kam der Wind her, er wächst also gegen die Windrichtung.

Windfahnen
Windfahnen. Foto: mountainsilence

Weitere Indizien für Schneeverfrachtungen sind Windfahnen, Windtreiben, Windfegen, usw. Wenn man sie beobachten kann, wird der Schnee gerade frisch verfrachtet.

Optik und Wahrnehmung

Triebschnee wirkt oft etwas matt im Vergleich zu glitzernden, lockeren Neuschnee. Da das Gelände so gut wie immer recht unregelmäßig in Rinnen, Kuppen, Hügel, Mulden usw. untergliedert ist, wird Triebschnee oft entsprechend unregelmäßig verteilt. Beim Spuren kann man das gut über die verschiedenen Einsinktiefen wahrnehmen. Zudem ist es von Vorteil, die Geländeformen- und Beschaffenheit im Sommer zu kennen.

Gebundener Schnee kann hart sein, aber auch weich. Ob Schnee gebunden ist, kann mit dem Schaufeltest geprüft werden. Man kann aber auch beobachten, ob beim Spuren ein Spursteg stehen bleibt, die Spurränder eher „scharfkantig“ sind, oder ob Risse entstehen. Weiteres fühlt sich Treibschnee, besonders wenn er kalt und spröde ist, etwas stumpf und „brechend“ an.

Die Sicht 

Ein entstehendes Triebschneeproblem ist oft mit schlechtem Wetter und schlechter Sicht verbunden. Wenn der Wetterbericht für den geplanten Skitourentag bereits schlechter meldet, bzw. von Eintrübung, schlechter Sicht und Schneefall spricht, sollte man die Tour auch dem Wetter angepasst planen. Nicht nur, weil man sich bei schlechter Sicht verirren und in für die Lawinensituation unpassendes Gelände geraten kann, sondern auch, weil bei schlechter Sicht Gefahrenzeichen und Triebschnee schwer erkennbar sind. Davor sind auch erfahrene TourengeherInnen nicht gefeit!

Eine gute Wahl sind dann Touren im Waldbereich, wo Bäume, Sträucher usw. als Anhaltspunkte für die Orientierung vorhanden sind, oder Touren, die man sehr gut kennt mit flacherem Gelände, in dem auch keine Gefahr herrscht, sich in steile Lawinengefährdete Hänge zu verirren, sowie passende Modetouren, wo man strickt im Hauptkorridor bleibt. Voraussetzung ist natürlich immer, dass man Triebschnee im Gelände überhaupt erkennen kann, ansonsten ist es ratsam, auf den gesichteten Pisten zu bleiben oder sich einen Bergführer zu nehmen.

Kann man einen Hang trotz vorhandenen Windzeichen fahren?

Ja, wenn sich der Treibschnee mit der Altschneedecke gut verbunden hat und keine weiteren störbaren Schwachschichten vorhanden sind, kann man einen Hang auch mit noch vorhandenen Dünen, Wechten, oder ähnliches befahren. Wie gut sich der Triebschnee mit der Altschneedecke verbunden hat, muss man natürlich vorsichtig beurteilen. Der Lagebericht gibt hierbei Hilfestellung.

Bei warmen Temperaturen und Sonneneinstrahlung kann sich ein Triebschneeproblem binnen weniger Stunden stabilisieren. Bei kalten Temperaturen und/oder schlechtem Wetter kann es hingegen bis zu mehreren Wochen bestehen bleiben.

Zum Original-Artikel von Stefanie Höpperger auf ihrer Website mountainsilence