bergundsteigen #133 (Winter 2025/25).
Magazin Abo
15. Sep. 2023 - 5 min Lesezeit

bergundsteigen: 30 Jahre in Zahlen

Schon anhand von Zahlen zeigt sich, was sich in den vergangenen drei Jahrzehnten in der Bergwelt getan hat – ob Klimawandel, Klettern, Inflation, Schutzgebietserweiterungen oder den Ansätzen einer Frauenbewegung in den Verbänden.

0,5 Stundenkilometer

betrug die Geschwindigkeit von Alex Honnold und Tommy Caldwell bei ihrem 2018 aufgestellten, immer noch aktuellen Speedrekord an der Nose im Yosemite National Park. Sie legten die rund 1000 Meter in 1:58:07 Stunden zurück. 1992 waren Peter Croft und Hans Florine 4:22 Stunden unterwegs gewesen. Ihr Rekord hatte immerhin neun Jahre Bestand.

1 Kubikkilometer

bzw. eine Milliarde Kubikmeter Eis beträgt derzeit das Volumen der Pasterze. Österreichs größter Gletscher hat damit seit den 1990er-Jahren mehr als einen halben Kubikkilometer bzw. mehr als ein Drittel des Volumens verloren. Laut Schätzungen von Andreas Kellerer-Pirklbauer, Leiter des ÖAV-Gletschermessdienstes, könnten im Jahr 2022 wohl mehr als 15 Millionen Kubikmeter Eis abgeschmolzen sein.

5 Euro

betragen laut Angaben des Alpenvereins die Kosten für einen Liter Trinkwasser auf Alpenvereinshütten. Interessanter als der zeitliche ist hier der räumliche Vergleich: Im Tal kann man dafür 2000 bis 3000 Liter Wasser mit Trinkwasserqualität aus dem Wasserhahn beziehen.

6 Medaillen

wurden im August 2021 in Tokio bei der Premiere des Sportkletterns als olympische Sportart vergeben. Damit ging eine fast 30-jährige Wartezeit zu Ende: Schon 1992 gab es im Rahmen der Olympischen Winterspiele in Albertville einen Demonstrationswettbewerb im Klettern – den Stefan Glowacz damals gewann.

9c oder der 12. Grad

ist derzeit das Maß der Dinge im Sportklettern. Diese Bewertung wurde beispielsweise für die noch nicht wiederholten Routen „DNA“ und „Silence“ von ihren Erstbegehern Seb Bouin und Adam Ondra vorgeschlagen. Vor 30 Jahren wurde bereits im elften Schwierigkeitsgrad (9a) – den Wolfgang Güllich nach mehrheitlicher Auffassung im Jahr 1991 mit der inzwischen legendären „Route Action Directe“ eröffnete – geklettert.

19 Bergführerinnen und 589 Bergführer

sind beim Verband Deutsche Berg- und Skiführer (VDBS) laut dessen Angaben (Stand: September 2022) gemeldet. Das entspricht einer Frauenquote von etwas mehr als 3 Prozent. In anderen Alpenländern ist der Anteil teilweise noch niedriger. Immerhin: 1992 kamen beim VDBS auf 280 Bergführer nur 2 Bergführerinnen.

19:49:30 Stunden

benötigte Kilian Jornet für die 170 Kilometer und 10.000 Höhenmeter des diesjährigen Ultratrail du Mont Blanc. Die Zeit war die erste unter 20 Stunden auf dieser Strecke. 1992 hat es den Wettkampf – wie die meisten anderen Ultratrail-Bergläufe – noch gar nicht gegeben.

21 Jahre

dauerte es auch nach 1992 noch, bis die erste Frau an die Spitze eines Alpenvereins in der DACH-Region gewählt wurde. Von 2013 bis 2021 war Françoise Jaquet Präsidentin des Schweizer Alpenclubs. Sowohl in Österreich als auch Deutschland werden die Alpenvereine seit jeweils mehr als 150 Jahren von Männern geführt.

45 Prozent

des CO2-Ausstoßes können beim Hüttenbetrieb von alpinen Unterkünften wie der Blüemlisalphütte oder der Trifthütte auf die Belieferung per Helikopter zurückgeführt werden. Nur zehn Prozent macht laut Daten eines SAC-Projekts dagegen die Energieversorgung aus. 1992, im Jahr der Rio- Konferenz, hat eine derart aufgeschlüsselte CO2-Bilanz noch die wenigsten Menschen wirklich interessiert.

67 Euro

kostet ein regulärer Ein-Tages-Skipass für Erwachsene in der Hauptsaison des Winters 2022/23 (24.12. bis 31.03.) in St. Anton am Arlberg. Im Winter 1991/92 wurden dort für die Tageskarte pro Erwachsenem noch 380 Schilling, also 27,62 Euro, kassiert. In anderen Skigebieten ist der Kostenanstieg ähnlich. Legt man alleine die Inflation in Österreich zu Grunde, hätten sich die Preise nicht ganz verdoppeln dürfen.

123 Ausgaben

des Magazins bergundsteigen gibt es bereits. Im Jahr 1992 erschien das erste.

131 Personen

verunglückten in der Schweiz im Jahr 2021 bei Bergunfällen tödlich, davon die meisten, 68, beim Bergwandern. 1992 waren es 124 (59 beim Bergwandern).

300 Schafe,

20 Ziegen und ein Rind wurden in Tirol nach einer vorläufigen Bilanz des Landes von Wölfen auf den Almen gerissen. In ganz Österreich fielen dem Wolf laut dem Österreichzentrum Bär Wolf Luchs 492 Nutztiere zum Opfer (Stand August 2022). Mit Wehmut denkt da manch ein Almbauer an 1992 zurück, als es in den Ostalpen weder den Wolf gab noch ein Österreichzentrum für große Beutegreifer nötig war.

663 Personen

erreichten laut Angaben der Himalayan Database im Jahr 2022 (Stand: 30.09.) den Gipfel des Mount Everest, davon nur sieben ohne Verwendung von Flaschensauerstoff (von den 452 erfolgreichen Everest-Besteigern des Jahres 2021 verzichtete sogar kein einziger auf Flaschensauerstoff). Der Spitzenwert aus dem Jahr 2019 mit 878 Personen wurde damit nicht erreicht. 1992 standen 90 Personen auf dem höchsten Punkt der Erde – damals ein neuer Rekord.

866 DAV-Mitglieder

gerieten laut der DAV-Unfallstatistik im vergangenen Jahr in Bergnot. Das entspricht 0,062 % aller DAV-Mitglieder. 1992 waren es 373 und 0,069 % aller Mitglieder. Allerdings verunglückten damals trotz der weitaus geringeren Mitgliederzahl 47 DAV-Mitglieder tödlich am Berg. 2021 sind es nur 32 gewesen (siehe auch –> 1.402.067).

1700 Euro

kostete eine Familie im Juli 2022 die Rettung aus dem mit D/E bewerteten Klettersteig am Mahdlgupf in Österreich. Die drei Kinder im Alter von fünf, sieben und zwölf Jahren waren Medienberichten zufolge mit Sandalen und Fahrradhelmen eingestiegen. Wie viel die Rettungsaktion vor 30 Jahren gekostet hätte, dürfte der Familie in diesem Moment ziemlich egal gewesen sein.

1856 Quadratkilometer

misst der Nationalpark Hohe Tauern. Der Tiroler Teil mit 611 Quadratkilometern und damit einem Drittel des eindeutig größten Nationalparks Österreichs kam bei der bislang letzten umfangreicheren Erweiterung im Jahr 1992 hinzu.

12.979 Bergretter

und Bergretterinnen gab es laut Statistik des Österreichischen Bergrettungs-Bundesverbands 2021 in Österreich, davon 4629 in Tirol.

77.000 Paar Tourenski

wurden laut dem Verband der Sportartikelerzeuger und Sportausrüster Österreichs (VSSÖ) alleine in Österreich in der Wintersaison 2021/22 verkauft, dazu circa 68.000 Bindungen, ca. 83.000 Paar Schuhe und ca. 96.000 Felle. Aus dem Jahr 1992 sind keine Daten erhältlich. Spötter behaupten allerdings, dass die Tourenausrüstung damals ohnehin noch in Eigenregie aus Robbenfellen und Eschenholz gefertigt wurde.

1.402.067 Mitglieder

zählte mit Start ins Jahr 2022 die größte nationale Bergsteigervereinigung der Welt, der DAV. Vor 30 Jahren waren es mit 542.282 etwas mehr als ein Drittel davon – und damit weniger, als der Österreichische Alpenverein (649.436) zu Beginn dieses Jahres hatte.

6.200.000 Euro

kostete laut Medienberichten der 2022 fertiggestellte Ersatzbau der Stettiner Hütte in der Texelgruppe. Im Jahr 1992 wären das unvorstellbare 85 Millionen Schilling, 12 Millionen Mark oder 12 Milliarden Lire gewesen. Erst 1995 war dort ein neue Hütte eingeweiht worden, die 2014 durch eine Lawine schon wieder zerstört wurde.

Unzählige Meter

haben Bergsportler und Wanderer in den vergangenen 30 Jahren zurückgelegt. Alleine die deutsche Thruhikerin (vulgo: Weitwanderin) Christine Thürmer kam in den vergangenen 15 Jahren auf rund 60.000 Kilometer.

Erschienen in der Ausgabe #121 (Winter 22-23)

bergundsteigen #121 cover